Elektrik sanieren – Kosten, Ablauf und wann es Pflicht wird

Christian Schröder Veröffentlicht: 15.07.2026

Aktualisiert: 15.07.2026

POCASIO Redaktion

15.07.2026

Elektrik sanieren - Kosten, Ablauf und FI-Pflicht

Die Elektrik ist die unsichtbarste aller Sanierungsmaßnahmen. Anders als ein neues Dach oder frische Fenster sieht man ihr von außen nicht an, ob sie noch zeitgemäß und sicher ist. Genau das macht sie tückisch: Veraltete Leitungen und fehlende Schutzeinrichtungen zählen zu den häufigsten Ursachen für Wohnungsbrände in Deutschland, und ihr Zustand entscheidet zunehmend auch darüber, ob eine Immobilie überhaupt für heutige Anforderungen wie Wärmepumpe, Wallbox oder Smart Home geeignet ist.

Woran du erkennst, dass die Elektrik erneuert werden sollte

Ein wichtiger erster Anhaltspunkt ist das Alter der Installation: Elektroleitungen sollten nach gängiger Fachempfehlung alle 30 bis 40 Jahre überprüft und bei Bedarf erneuert werden.

Weitere Warnsignale sind ein alter Sicherungskasten mit klassischen Schraubsicherungen statt moderner Automaten, eine zu geringe Anzahl an Steckdosen für den heutigen Bedarf, wiederholt auslösende Sicherungen ohne erkennbaren Grund sowie zweiadrige Leitungen ohne Schutzleiter, wie sie in vielen Häusern vor den 1970er-Jahren verbaut wurden.

Welche weiteren altersbedingten Schwachstellen typisch sind, zeigt der Beitrag Typische Baujahre und ihre Problemzonen.

Ist eine Erneuerung der Elektrik Pflicht?

Eine pauschale gesetzliche Pflicht, eine ältere, aber funktionierende Elektroinstallation zu erneuern, besteht in Deutschland nicht. Die Anlage genießt insoweit einen gewissen Bestandsschutz. Wichtig ist aber eine Einschränkung, die häufig übersehen wird: Sobald an der bestehenden Anlage etwas verändert oder erweitert wird, etwa neue Steckdosen ergänzt, Leitungen in einem Bereich erneuert oder Räume umgebaut werden, muss der veränderte oder neu hinzukommende Teil nach dem aktuell gültigen Stand der Technik ausgeführt werden. Das betrifft insbesondere den Fehlerstromschutzschalter, den sogenannten FI-Schalter: Für neue oder veränderte Steckdosenstromkreise ist er nach den einschlägigen Normen vorgeschrieben, unabhängig davon, ob die übrige, unveränderte Altanlage davon betroffen ist.

Auch in Feuchträumen wie Bad oder Außenbereich gelten für neu errichtete oder veränderte Stromkreise die aktuellen Anforderungen an den Fehlerstromschutz. Wer plant, nur einzelne Räume zu renovieren, sollte diesen Punkt vorab mit einem Elektrofachbetrieb klären, da er einfluss darauf hat, wie umfangreich die Arbeiten in dem jeweiligen Bereich tatsächlich ausfallen.

Unabhängig von der rechtlichen Einordnung gilt: Auch ohne eine bestehende Pflicht ist die Nachrüstung eines fehlenden FI-Schutzes in einer älteren Installation aus Sicherheitsgründen praktisch immer empfehlenswert. Ob im Einzelfall eine Pflicht zur Nachrüstung besteht oder nicht, kann verlässlich nur ein Elektrofachbetrieb nach Prüfung der konkreten Anlage beurteilen.

Was gehört zu einer vollständigen Elektrosanierung?

Eine umfassende Elektrosanierung umfasst in der Regel neue Leitungen anstelle der alten, oft nicht mehr normgerechten Verkabelung, einen neuen Sicherungskasten beziehungsweise Zählerschrank mit ausreichend Reserveplätzen für spätere Erweiterungen, moderne FI-Schutzschalter für alle Stromkreise sowie eine ausreichende Anzahl an Steckdosen und Anschlüssen, die dem heutigen Bedarf entsprechen.

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Häufig werden dabei auch gleich Leerrohre für spätere Erweiterungen mitverlegt, etwa für Glasfaser oder eine spätere Smart-Home-Nachrüstung, da das nachträgliche Verlegen deutlich aufwendiger ist als die Mitplanung während ohnehin offener Wände.

Was kostet die Erneuerung des Sicherungskastens?

Wird nur der Sicherungskasten beziehungsweise Verteiler erneuert, ohne die übrige Installation anzufassen, lässt sich das vergleichsweise günstig umsetzen. Je nach Umfang und Ausstattung liegen die Kosten für einen neuen Verteiler mit modernen FI-Schutzschaltern häufig zwischen 1.500 und 3.000 €.

Das ist besonders dann sinnvoll, wenn die übrigen Leitungen noch in gutem Zustand sind und keine umfassendere Sanierung ansteht, aber der veraltete Sicherungskasten selbst ein Sicherheitsrisiko darstellt.

Was kostet eine komplette Elektrosanierung?

Für eine vollständige Erneuerung der Elektrik in einem Altbau kann man für 2026 rund 80 bis 150 € pro Quadratmeter Wohnfläche als Richtwert annehmen. Für ein Einfamilienhaus mit rund 130 bis 150 Quadratmetern Wohnfläche ergibt sich daraus eine Gesamtinvestition von grob 10.000 bis 25.000 €, bei hochwertiger Ausstattung oder zusätzlicher Smart-Home-Integration auch mehr. Zum Vergleich: Im Neubau, wo keine Altsubstanz zu berücksichtigen ist, liegen die Kosten mit rund 50 bis 90 € pro Quadratmeter spürbar niedriger.

Regional können die Preise um bis zu 40 % schwanken, in Ballungsräumen und wirtschaftsstarken Regionen liegen sie meist am oberen Rand dieser Spanne. Eine zusätzliche Smart-Home-Integration schlägt häufig mit weiteren 3.000 bis 10.000 € zu Buche, je nach gewähltem System und Umfang. Diese Zahlen sind Richtwerte aus mehreren Quellen und können je nach Zustand der Altanlage, gewünschter Ausstattung und Umfang der nötigen Stemmarbeiten erheblich abweichen.

Ein praktischer Hinweis zur Kostenplanung: Wenn ohnehin im Zuge anderer Arbeiten Wände geöffnet werden, etwa bei einer Fassadendämmung von innen oder einer umfassenderen Renovierung, lohnt es sich fast immer, die Elektrik gleich mit zu erneuern. Eine nachträgliche Erweiterung, etwa für eine später gewünschte Wallbox, kostet in bereits fertiggestellten Wänden ein Vielfaches dessen, was die Mitplanung gekostet hätte.

Wie läuft eine Elektrosanierung ab?

Am Anfang steht eine Bestandsaufnahme durch den Elektrofachbetrieb, bei der der Zustand der vorhandenen Installation geprüft und der Umfang der nötigen Arbeiten festgelegt wird. Es folgen die Stemmarbeiten, um neue Leitungen unterputz verlegen zu können, sowie der Austausch des Sicherungskastens. Nach dem Verlegen der neuen Leitungen werden Wände und Decken wieder verschlossen und für den Wiederaufbau der Oberflächen vorbereitet.

Den Abschluss bildet die Prüfung und Abnahme durch den Elektrofachbetrieb, bei der alle Stromkreise gemessen und in einem Prüfprotokoll dokumentiert werden. Dieses Protokoll ist nicht nur für die eigene Sicherheit wichtig, sondern wird auch von Versicherungen verlangt und ist bei einem späteren Hausverkauf ein wertvoller Nachweis für eine fachgerecht ausgeführte Sanierung.

Wichtig zu wissen: Arbeiten an der elektrischen Anlage, insbesondere der Einbau von Schutzeinrichtungen wie dem FI-Schalter, dürfen in Deutschland ausschließlich von einem eingetragenen Elektrofachbetrieb durchgeführt werden. Eigenleistung ist bei dieser Maßnahme, anders als etwa bei Maler- oder Putzarbeiten, keine Option, um Kosten zu sparen.

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Häufige Fragen

Was kostet die Elektrik-Sanierung eines Einfamilienhauses?

Für ein Einfamilienhaus mit rund 130 bis 150 Quadratmetern liegen die Gesamtkosten meist zwischen 10.000 und 25.000 €, bei 80 bis 150 € pro Quadratmeter Wohnfläche. Wird nur der Sicherungskasten erneuert, sind es meist deutlich geringere 1.500 bis 3.000 €.

Ist ein FI-Schutzschalter im Altbau Pflicht?

Für die unveränderte Altanlage besteht keine pauschale Nachrüstpflicht. Sobald aber Stromkreise verändert, erweitert oder neu errichtet werden, muss der betroffene Teil nach aktueller Norm mit FI-Schutz ausgeführt werden. Ob im Einzelfall eine Pflicht besteht, sollte ein Elektrofachbetrieb anhand der konkreten Anlage beurteilen.

Wie lange dauert eine Elektrosanierung?

Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus ist meist mit drei bis sechs Wochen zu rechnen, abhängig vom Umfang der Stemmarbeiten und dem gewünschten Ausstattungsniveau. Werden gleichzeitig weitere Gewerke wie Maler- oder Putzarbeiten ausgeführt, verlängert sich die gesamte Bauzeit entsprechend.

Kann ich die Elektrik nachträglich Smart-Home-fähig machen?

Ja, das ist grundsätzlich möglich, aber deutlich aufwendiger und teurer als eine Mitplanung während einer ohnehin anstehenden Elektrosanierung. Wer eine spätere Smart-Home-Nachrüstung in Betracht zieht, sollte bereits bei einer laufenden Sanierung entsprechende Leerrohre und Reserveplätze im Verteiler mit einplanen lassen.

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